wird einen perspektivischen Einblick in die Welt der Jüdischen Studien bieten und sich dabei auf die rabbinische Literatur konzentrieren.
Ich freue mich, mein neues Buch, das in Zusammenarbeit mit P. Beat Zuber entstanden ist, hier vorstellen zu können: Josippon. Jüdische Geschichte vom Anfang der Welt bis zum Ende des ersten Aufstandes gegen Rom. Aus dem Hebräischen übersetzt von Dagmar Börner-Klein und Beat Zuber, Wiesbaden (Marixverlag) 2010.
Und hier eine Geschichte aus dem Buch Josippon:
57. Die Geschichte von Paulina
In jenen Tagen starb Caesar und Tiberius Caesar herrschte nach ihm. Er war ein bösartiger Mann, der Pilatus, den Obersten seines Heeres nach Jerusalem sandte mit dem Abbild des Tiberius in seiner Hand. Als er das Abbild in die Stadt bringen wollte, verweigerte [es] ihm das Volk, denn sie sagten: „Kein Abbild eines Menschen soll in die heilige Stadt kommen.“
Da erzürnte Pilatus, der Oberste des Heeres, und tötete viele aus dem Volk mit dem Schwert. Aber auch von seinen Truppen waren viele getötet zu Boden gegangen, denn in den Tagen des Tiberius Caesar wurden nicht nur in Judäa schändliche Dinge getan. Auch in Rom, in der [Haupt]stadt seines Reiches, wurden viele schändliche Dinge getan.
Jetzt aber will ich eine von den schändlichen Dingen erzählen, die in Rom in den Tagen des Tiberius Caesar begangen wurde.
In seinen Tagen war in Rom eine Frau von schöner Gestalt und von sehr schönem Aussehen. Jene Frau war voller Anmut und schöner als alle Frauen. Alle, die sie sahen, ließen ihre Arbeit liegen, und blickten sie an. Und viele begehrten, mit ihr zu schlafen, konnten es aber nicht, denn sie war keusch und [mit] einem Mann verheiratet. Ihr Name war Paulina, und die Frau hielt sich fortwährend in ihrem Gebetshaus auf.
Ein Mann erblickte sie und sein Name war Mundus. Er war der Oberste der Reiterei von Tiberius Caesar. Seine Liebe brannte in ihm wie Feuer wegen der Schönheit der Frau. Er bat sie, für den Lohn von zwanzigtausend Golddrachmen mit ihm zu schlafen, aber die Frau weigerte sich, ihn zu erhören. Sie enthüllte sein Geheimnis und erzählte [es] ihrem Mann.
Als Mundus sah, dass Paulina ihm kein Gehör schenkte, ging er zum Priester des Tempels, der in jenen Tagen in Rom war.
In jenem Tempel befanden sich zwei Abbildungen von Göttern. Der Name des einen [Gottes] war Isis und Name des zweiten Anubis. Anubis aber war größer als Isis in den irrenden Augen des Volkes.
Der Mann ging zum Priester und gab ihm tausend Golddrachmen, um die Frau gefügig nachts zum Tempel zu bringen, um mit ihr das Verlangen seiner Seele zu stillen.
Da ging der Priester und sprach zu der Frau und sagte: „So sprach Anubis, der große Gott: Komm zu meinem Tempel und lege dich gegenüber von meinem Altar hin. Ich will nachts aufstehen und will dir ein Geheimnis verraten, denn ich liebe dich, die du meine Prophetin werden sollst.“
Da freute sich die Frau sehr und erzählte [es] ihrem Mann, und ihr Mann sagte zu ihr: „Wer könnte verweigern, was Gott erbittet?“
Die Frau ging zum Tempel, und ihre Mädchen breiteten gegenüber dem Altar [eine Decke] aus, und die Frau legte sich hin. Die Mädchen aber gingen aus dem Tempel, denn so hatte der Priester [es] befohlen.
Als sie schlief, erhob sich der Mann hinter dem Altar in Gestalt des Anubis und kam unter ihre Kleidung und verfiel in Küsserei ohne Unterlass.
Da erwachte die Frau, fragte ihn und sprach: „Wer bist du?“
Er antwortete: „Ich bin Anubis, ich bin aus Liebe zu dir gekommen.“
Da sprach die Frau: „Wenn du ein Gott bist, warum begehrst du die[se] Frau? Kann sich denn ein Gott mit einer Frau verbinden?“
Da sprach der Mann: „Er kann, denn Alkmena ist eine schöne Frau wie du, und sie empfing ebenso einen Gott und gebar Jupiter einen Gott wie mich. Und auch Leda, eine andere Frau, hat [es] so getan, ebenso viele andere Frauen, die viele Götter geboren haben.“
Da glaubte [ihm] die Frau, und sie sprach: „Glücklich bin ich unter den Töchtern, wenn mein Gott mich liebt!“
Deshalb enthielt die Frau nichts vor, was der Mann wünschte, und er schlief mit ihr bis zum Morgen. Am Morgen aber verließ er sie und sie ging [in] großer Freude nach Hause.
Sie erzählte ihrem Mann alles, was ihr im Tempel geschehen war. Da freute sich der Mann sehr und sprach: „Glücklich sind wir, denn Gott hat uns bedacht!“
Und auch alle Frauen priesen sie glücklich und sprachen: „Glücklich bist du, Paulina, die du dich mit einem Gott verbunden hast!“
Danach ging Mundus hin und sprach zu Paulina und sagte: „Glücklich bist du, Paulina, die du dich mit Anubis, dem großen Gott, verbunden hast! Lerne von nun an: Wie du die Bitte des Gottes nicht verweigert hast, so sollst du auch die Bitte eines Menschen nicht verweigern! Und wie du deine Geheimnisse vor einem Gott nicht verschleiert hast, so sollst du [sie] von jetzt an auch nicht vor dem Menschen verschleiern. Denn der große Gott Anubis gab mir, was du vor mir verschleiert hast. Und was du mir verweigert hast, hat er mir gegeben. Denn er gab mir seine Gestalt und seinen Namen. Auch hat er dich in den Tempel gebracht, und er gab dich mir, um mein Verlangen an dir zu stillen.
Was hat es genützt, dass du meinen Willen nicht nach meinem Wunsche tatest und die zwanzigtausend Golddrachmen, die ich dir brachte, nicht genommen hast. Gott gab mir umsonst, ohne Geld, worum ich ihn gebeten hatte.
Solange mein Name Mundus war, hast du nicht eingewilligt, meinen Willen zu tun, als ich aber meinen Namen in Anubis änderte, hast du alles, was ich wollte, getan. Lerne, Paulina, von jetzt an, meinen Willen zu tun!“
Als [dies] die Frau hörte, grämte sie sich sehr, weil sie verunehrt worden war. Sie ging und erzählte [es] ihrem Mann. Aber er fand keine Worte, um mit seiner Frau zu streiten, denn er selbst hatte ihr geboten, zum Tempel zu gehen.
Als der König [von der Begebenheit] hörte, tötete er die Priester, und auch den Tempel zerstörte er. Die Bilder ließ er im Tiber versenken. Den Mann aber tötete er nicht, denn er sprach: „Seine Liebe brannte in ihm, und sein Trieb übermannte ihn.“ Aber er verstieß ihn in die Ferne.
Deshalb haben wir diese schändliche Geschichte niedergeschrieben, die in den Tagen des Tiberius Caesar geschehen ist: um mitzuteilen, dass im ganzen Gebiet seines Reiches in seinen Tagen schändliche Dinge wie diese geschahen.

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Erstaunlich, dass schon damals ausdifferenzierte Regelungen bestanden, das Thema heute aber kaum im öffentlichen Bewusstsein zu sein scheint.
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